Brennende Oberleitung auf dem Zug oder wie es ist wenn die Deutsche Bahn einen Zug evakuiert

Ich muss euch heute mal was erzählen, einfach nur, weil ich es mir von der Seele reden möchte. Weil mir ist was am Montag passiert, dass ich so schnell wohl nicht mehr vergessen werde.

Montags arbeite ich in Düsseldorf und habe um halb sieben Feierabend. Meine erste Handlung nach Feierabend ist es eigentlich, dann den Wulf anzurufen, zu fragen wie es ihm geht, ob er gut heimgekommen ist und am wichtigsten: “Was essen wir heute!?” :-P

Dies habe ich auch Montag wie immer gemacht und Wulf erzählte dann, dass es sein könnte, dass ich mit meinem Zug nur bis Mülheim fahren könnte, weil irgendwo auf der Strecke ein Baum umgefallen sei und er deswegen auch mit der U-Bahn nachhause gefahren ist. Okay, dachte ich mir, darauf kann man sich einstellen und bin dann kurz bei DM rein und habe noch ein bisschen was an Nüssen gekauft (glücklicherweise) weil ich keine mehr für mein Frühstück hatte.

Dann ab zum Gleis weil mein Zug auch bald kommen sollte. Gesagt getan und zack wurde eine Gleisänderung bekannt gegeben UND das er weder in Mülheim, Essen, noch Bochum halten würde :-( Na super dachte ich mir, dann heißt es mal wieder mit der Straßenbahn von Duisburg nach Mülheim und dann weiter nach Essen. Hab ich ja schon öfter gemacht, ist kaum ein Umweg von 1,5 Stunden. Glücklicherweise hieß es aber dann, der Zug hält in Altenessen – das ist ja quasi nicht viel weiter mit der Bahn als vom HBF also war es dann ja nicht ganz so schlimm. Puh, erst mal große Erleichterung und mit nur wenig Verspätung ging es dann auch schon los. 1000 m vor Duisburg Hauptbahnhof mussten wir anhalten und auf die Einfahrterlaubnis warten und dort standen wir vielleicht 10 Minuten und auf einmal sah ich wie die Oberleitung herunter fiel und quasi mir auf den Kopf, also auf das Zugdach. Es gab einen riesen Knall und die Oberleitungen wackelten heftig und es brannte. Riesiger Schreck und dann schnell die Frage was ist da passiert und was geschieht jetzt.

Tja, wie das passieren konnte ist mir auch heute noch ein absolutes Rätsel, aber wovon ich nun berichten möchte, ist, wie es weiter ging – allerdings in kurzen Worten weil spannendes gab es die nächsten gut 2 ½ Stunden nicht. Es kamen immer wieder zwischendurch Durchsagen mit immer der gleichen Info, der Unfallmanager kommt gleich, der muss sich das ganze anschauen, dann muss der Zug geerdet werden und evtl. werden wir anschließend evakuiert.

Leider konnte man nur sehr selten überhaupt jemanden sehen und passiert ist nicht viel. Als es dann endlich zu der Evakuierung gekommen ist, war ich stark verärgert, weil in den drei Stunden welche wir da rumgesessen und gewartet haben, hat es vom Unfallmanagement keiner geschafft eine Leiter oder ähnliches zu organisieren und weder das Personal noch die Polizei hat mitgeholfen den Passagieren beim umsteigen zu helfen. Jetzt bin ich ja noch „jung“, nicht schwer und halbwegs beweglich, aber alleine hätte auch ich es nicht in den anderen Zug geschafft. Aber wenn ich dann an die Dame denke die vor mir ausgestiegen ist, die mit ihren 90 Jahren das Spielchen auch mitmachen musste – ohne Leiter erst gute 1 ½ Meter tief springen und dann etwa dieselbe höhe wieder hoch, fand ich das schon eine Frechheit!

Hätte ich nicht zuvor noch etwas zu essen gekauft, hätte ich wohl wirklich in Kreislaufschwierigkeiten gekommen, denn seit dem Mittag hatte ich nichts mehr gegessen und alleine der Flüssigkeitsmangel war schon eine Katastrophe. Schade fand ich wirklich, dass sich hierfür ebenfalls keiner verantwortlich sah und vielleicht mit einigen Litern Wassern zum Zug gekommen ist, denn draußen bewegen konnte man sich ja recht schnell wieder, so dass eine Versorgung mit Getränken schon möglich gewesen wäre. Das fand ich von der Organisation wirklich nicht sehr gut, weil zumindest das etwas gewesen wäre, dass man hätte tun können, um die Wartezeit etwas angenehmer zu gestallten.

Tja, also alle sind soweit ich weiß heil dabei herausgekommen (gut wenn man mal von einem dicken blauen Fleck bei mir am Knie absieht). Aber noch mal möchte ich das wirklich nicht miterleben.

Viele liebe Grüße von einer immer noch etwas, über die Streckenzustände der Deutschen Bahn, schockierten Samira

 
hier findet ihr euch einen offizieller Bericht zu dem ganzen Chaos: der Westen über die Evakuierung am Montag aus dem RE 6

Bahnimpressionen von 2013

Samira

Make-Up-Junkie, Foodie, Fotosüchtig

2 Comments

  1. Hallo Samira,

    genau das ist mir auch bereits passiert. Bei mir sind die Oberleitungen auch auf dem Zug gefallen, es gab Krach und wir standen wirklich vielleicht 1km weiter zum Dortmunder HBF, wo ich schon fast zu Hause gewesen wäre. Meines Wissens hat es aber zum Glück nicht gebrannt. Für die Evakuierung kam Polizei und Feuerwehr und das Ganze hat ebenfalls 2 1/2 Stunden gedauert. Wir hatten allerdings immer Leute die an den Ausgängen standen und uns halfen aus un in die Züge reinzukommen, denn für das letzte Kilometer zum Dortmunder HBF wurden wir in einen ICE verfrachtet.
    Ohja, die Abenteuer mit der Deutschen Bahn, von denen kann ich auch ein Lied singen.

    Liebe Grüße!

  2. Also wir sind eine Zeit lang sehr oft weite Strecken mit der Bahn gefahren. Da war auch oft irgendwas, wobei ich aber die Deutsche Bahn stets als serviceorientiert und hilfsbereit empfand. Für die meisten Pannen konnten die nichts. Z. B. Personen auf den Gleisanlagen, Hecke an ICE Trasse brannte oder sowas. Nur einmal war´s echt grausam. Schnellstrecke, ICE proppenvoll, Hochsommer, Klimaanlage defekt. Es regnete im Zug, Hitze ohne Ende. 2 Stunden Fahrt. Übel. Anfangs gab es gratis Getränke, die leider ruckzuck leer waren. Ansonsten habe ich ein gutes Verhältnis und reise gerne mit der Deutschen Bahn. Was das Aussteigen auf freier Strecke angeht: oh ja, dass ist echt schwierig und gewiss nicht für jeden Reisenden machbar. Sind mal mit einer Dampflok gefahren. Wer wollte, konnte unterwegs aussteigen für Scheinfahrten. Hätte ich gerne gemacht, aber ich wäre bestenfalls raus, aber nicht mehr reingekommen, wenn nicht ein paar routinierte Fotografen eine kleine Stehleiter dabei gehabt hätten. LG, Steffi

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